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15. April 2026 – Gesichtserinnerung

ist das Thema der neuesten Ausgabe von Nature briefing, einem ungemein anregenden Kurznewsletter aus der Naturwissenschaft mit Links und Verweisen auf originale Aufsätze. Heute ging es unter anderem um die Anregung, die das jugendliche Gesicht dem alternden Gedächtnis liefern kann. Angeblich erinnert man sich angesichts der  künstlich wiederhergestellten eigenen jugendlichen Physiognomie besser an die seelischen Inhalte von damals und kann daher auch besser verstehen, wie man wurde wer man ist.

Die Wissenschaftler nennen es “autobiographical episodic memory” und folgern: „It enables us to mentally time-travel to the events of our past, allowing us to experience sensory details of things that we’ve seen, heard, tasted, touched, and smelled and the emotions that we felt at those times. “ Ob das zutrifft?  Oder stehen wir schon am Rande unserer Körperverlustigkeit angesichts der KI persona, die uns bevorsteht oder schon übermannt hat?

2026-04-15T17:29:14+00:0004 '26|Gesichtsrundschau|

14.04.2026 – Denunzieren

ist eine der verwerflichsten, wenn auch indirekten Sprechakte überhaupt. Die Linguisten sprechen von einem pragmatischen Akt mit sozialen Folgen, weil es keine juristisch stabile Formulierung gibt, wie etwa bei einem Heiratsversprechen. Deutschland hat eine traurige Kompetenz erlangt: schon im NS-Deutschland konnte man jederzeit Menschen wegen Umgangs mit jüdischen Bürgern in den Tod schicken, auch und vielleicht noch  effektiver in der oder durch die DDR, die doch Nazideutschland mit sowjetischer Hilfe bekämpfte. Ähnlich wie heute völlig grotesk der russische Präsident den ukrainischen des Nazismus bezichtigt, trotz dessen jüdischer Herkunft.

Vor diesem Hintergrund mutet die Initiative der ZEIT geradezu tückisch an. Seit Mitte März 2026 gibt es eine digitale Version der NSDAP Mitgliederliste mit 16 Millionen Einträgen, gezogen aus dem früheren Berlin Document Center. Die ZEIT hat diese Unterlagen technisch bearbeitet und bequem zugänglich gemacht. Sie verkauft diesen Zugang mit einem Abo. Das ist offenbar rechtlich möglich, aber unanständig. Der originale Zugang wird von der NASA (US National Archives) kostenlos zur Verfügung gestellt. Er ist dort vielleicht komplizierter, aber eben frei.

Die ZEIT ist die meistverkaufte Wochenzeitung der Bundesrepublik. Die angebliche Auflage von rund 600tausend Exemplaren  verdankt sie unter anderem dem akademischen Stellenmarkt, den sie weitgehend beherrscht. Die Aufforderung, sich gegen Geld um die Nazivergangenheit von Zeitgenossen zu kümmern, kommt einer Aufforderung zur Denuntiation gleich. Verkleidet als historische Wahrheitsfindung, die auch vor der eigenen Familie nicht innehält. Wer aber kontrolliert das? Welche Rolle wird die gefundene Wahrheit im Umgang mit der DDR spielen, zumal in den kommenden Wahlen? Vielleicht rollt eine zweite AufklärungsWelle nach den Stasiunterlagen über das Land.

 

2026-04-15T17:18:27+00:0004 '26|Gesprächsrundschau|

9. April 2026 – Die Drohung des Diktators

war ein Sündenfall allerersten Ranges, darin sind sich die meisten westlichen Köpfe einig.  Zur Ermordung einer „Zivilisation“ aufzurufen, wie gerade von Donald Trump zu hören, ist gleichbedeutend mit Anstiftung zum Massenmord. Kann die Kategorie „Drohung“ als linguistischer Sprechakt hier überhaupt noch greifen? Man hört jetzt öfter, dass Trumps Verhalten aus einer Reality Show zu stammen scheint oder mindestens von einem drehbuchgesteuerten Avatar diktiert. Die Höchstzahl an Klicks korreliert dem medial verbreiteten Schrecken: hier also der Ankündigung eines Massenmordes.  Diese Brutalität korreliert allerdings auch jener des iranischen Regimes. Dessen religiöser Fanatismus kann offenbar auf eine eingeschworene Bevölkerung zählen, ähnlich wie Ende des zweiten Weltkrieges die japanische. Nicht wenige entsetzte Demokraten haben an die Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki erinnert, der Beschluss fiel  am 25. Juli 1945 .  „An diesem Tag erließ General Thomas T. Handy, der amtierende Generalstabschef der US‑Armee, den schriftlichen Befehl, die neuen Waffen „so bald wie möglich“ gegen ausgewählte Städte einzusetzen.“ schreibt wikipedia. Welche Waffen will die Trumpregierung erproben?
Jetzt gibt es einen pakistanischen Plan einer zweiwöchigen Waffenruhe, die aber nicht wirklich eingehalten wird. Von der Behinderung der Öltransporte an der Strasse von Hormusz profitiert angeblich nur Russland. Wie nachhaltig werden die kommenden Landtagswahlen in Deutschland von diesem mephistophelischen Triumph profitieren?

 

2026-04-09T09:01:07+00:0004 '26|Gesprächsrundschau|

30. März 2026 – Und nun starb Alexander Kluge

der großartige Filmrevoluzzer aus Halberstadt, Buchautor mit dem intellektuellen Nachlass eines Insektenauges,  und tausenden von Interviews auf der Sendefrequenz von Dctp, die er juristisch für sich und seine Gemeinde erstritten hat. Selten gab es den Fall eines Kulturgenies mit zahllosen Anhängern ohne jede charismatische Tücke. Ausser Jonathan Meese hat ihn wohl niemand zur Ikone von Liebe und Kunst erkoren: diese Freundschaft gehörte wohl  zu den Tröstungen seiner letzten Jahre. Der trockene Sachsenhumor hat ihn von Anbeginn eher zum Dadaisten, das heisst zum Collageur gewandelt, Wirklichkeitssätze standen unvermittelt neben alternativen Fakten. Ich hielt ihn für einen Bruder der Hannah Höch –  viel eher als einen von Habermas. Friede seiner Seele! Ruhe seiner Asche!

2026-03-30T09:55:38+00:0003 '26|Gesichtsrundschau|

17. März 2026 – Habermas‘ Leben im Dialog

Dieser berühmteste deutsche Philosoph seit Kant starb  vor drei Tagen, und die Medien trauerten sämtlich seiten- und minutenlang.  Wer etwas auf sich hielt, weinte ihm öffentlich nach. Der ganze Suhrkamp Verlag, mit ihm die Suhrkamp Kultur,  Hort deutscher Aufklärung im 20. Jahrhundert: wird mit ihm und muss zu Grabe getragen werden. Was für ein denkwürdiges Datum: Am Tag danach, Sonntag den 15. März, stürzten in europäischen Wahlen wie auch an Börsen Werte und Parteiungen unangenehm ab; unsere sogenannte rote Linie, die Brandmauer hierzulande wie auch in Frankreich und Italien taumelt. Dass ein Argument kraft seiner Aussage von Gegnern anerkannt werden könne, diese Konstruktion der „kommunikativen Vernunft“ fällt seit Erscheinen von Donald Trump täglich lauter in sich zusammen. Selbst der Rekurs des alternden Habermas auf die Religion – „religiös musikalisch“ sei er nicht, hatte er früher gesagt – konnte das krachende Scheitern nicht aufhalten, einfach weil anstelle von Gegnern längst Feinde getreten waren, die man mit allen erdenklichen Mitteln zugrunde zu richten trachtet.  „Hybrid“ heisst der aseptische Ausdruck dafür.

So etwas wie eine autodestruktive Macht in Regierungspositionen – und erst recht subaltern – denken lässt sich mit Habermas nicht. Sie gehört den Sekten, die in den USA bekanntlich schon öfter verführerisch auftraten. Dass in der Person des US Präsidenten ein goldglänzender Verführer zum nationalen Suizid auf der Bühne der Weltgeschichte gelandet ist: haben bisher nur SF Regisseure und -Schriftsteller erwogen und beschrieben.

2026-03-21T07:32:47+00:0003 '26|Gespräch, Gesprächsrundschau|

8. März 2026 – Eine blutrote Linie

wurde vergangene Woche von zwei osteuropäischen Ländern beschworen, also beinahe überschritten und beinahe getilgt: der ungarische Premier Orban verweigerte dem Europäischen Parlament die Zustimmung zur Auszahlung  von 9o Milliarden Euro an die Ukraine. Es wäre das Todesurteil für das Land.  Zudem hat er einen ukrainischen Geld- und Goldtransport konfisziert und Angestellte einer ukrainischen Bank in Ungarn festgesetzt (inzwischen wieder freigelassen). Darauf soll Selenskyj „geantwortet“ haben: er wolle Orban mal ein paar Burschen schicken, um mit ihm Tacheles zu sprechen. Tacheles sagte er nicht, sondern „in seiner Sprache sprechen“. So ein Satz ist inzwischen aufgeladen durch den politischen Stil des US Präsidenten. Mit der KI ausfindig machen, wo sich unbeliebte Regierungschefs aufhalten und diese dann entweder entführen oder töten. Das aber hiesse: Kriegserklärung an die EU resp. die Nato.  Erleben wir hier den Höhepunkt der ungarischen Wahlhysterie?

2026-03-08T15:41:54+00:0003 '26|Gesprächsrundschau|

4. März 2026 – Sprachlos

werden kann man nur noch angesichts dieser neuen Kriegslüsternheit im Nahen Osten, befeuert durch Netanjahu und Trump. Vielleicht genauer: ausschliesslich durch Netanjahu, der Trump dazu brachte und immer noch bringt, eine unerhörte Rechnung der Juden mit dem todesgierigen, atomsüchtigen Iran zu begleichen. Rache: ist es ein Sprechakt? Wenn Waffen schweigen können, haben sie zuvor gesprochen.  Aber was heisst hier sprechen? Hilflos nennen wir inzwischen alles „hybrid“ : Angriff,  Verteidigung und immer wieder Rache.  Der neue Kommandant der Revolutionsgarden Ahmad Vahidi  könnte als Rächer neben den eher dynastisch repräsentativen Sohn des  getöteten Ayatolla Khamenei, Mojtaba Khamenei, treten. Vom Sohn des ehemaligen Schahs Pahlewi ist plötzlich nicht mehr die Rede. Wird Trump sich urplötzlich abwenden, wenn zu viele US Soldaten fallen und seine Wahl gefährdet wird?

 

 

 

 

 

 

2026-03-04T15:03:01+00:0003 '26|Gesprächsrundschau|

17. Februar 2026 – Das Gespräch als Drohne

rückt immer mehr in den Vordergrund. Definiert man Drohne als ein überfliegendes Multifunktionsgerät, ein Ding zwischen Versandhandel,  militärischer Gewalt und Bilderfassung für geographische, kriminalistische, soziologische etc. Aufschlüsse: dann ist die vitale Bedeutung von Dialogmaschinen evident. Dergestalt sorgfältig designte  Botschaften fliegen in Kommunikationsnetzwerke: Absender müssen sich tarnen, Zielfiguren getroffen werden.

Gestern erschien im Internet ein raffinierter Zwitter in Gestalt eines Filibusters, der den Präsidenten minutenlang monoton rundum anklagte. Es begann mit einem Blick ins Weisse Haus, wo ein Mensch während der Pressekonfenrenz zusammenbrach: angeblich schloss Fox News danach sofort die Übertragung. Der Vorfall stammte aber von 2020 – während der Filibuster im Netz  2026 atemlos eine erschütternde Anklage gegen den heutigen Präsidenten verlas. Atemlos war er, weil von einer KI verlesen, die keinen Atem benötigt.

Nach der ersten Verblüffung merkte ich: das war und wäre ein Trick, um jede justitiable Verfolgung abzuschütteln. Ein mediales Chamäleon. Eine Drohne. Nicht unklug. Man könnte den heutigen Herrscher mit seinen eigenen Mitteln schlagen. Wir werden sehen, wie das im kommenden (oder schon ausgebrochenen) Wahlkampf im November 26 genutzt wird.

2026-02-19T14:16:35+00:0002 '26|Gespräch|

10. Februar 2026 – Golems Gesicht

tritt immer deutlicher aus dem technischen Nebel von heute hervor. Man lese die denkwürdigen Berichte aus dem Handelsblatt von gestern. Der eine Artikel alarmiert, der andere moderiert. „Die Angst vor dem KI-Crash trügt“ heißt es erst einmal, um dann von den neuen Generationen zu berichten: OpenAI Codex 5.3 oder Claude Opus4.6. Hier „wird Software nicht mehr geschrieben, sondern erzeugt. Was lange ein Versprechen war, wird jetzt Realität: Hochwertige Programme entstehen automatisiert.“ Das glühende Zentrum dieser Entwicklung heißt Open Claw. „Ein offenes Agentensystem, entwickelt von dem österreichischen Entwickler Peter Steinberger. … es verbindet KI nicht nur mit Text, sondern mit Dateien, Programmen, Webseiten und Handlungen in der realen Welt“. Mit anderen Worten: die KI wird nicht nur besser, sondern selbständig. Daher wird herkömmliche Software für die Firmen überflüssig, was wiederum deren Kurse an der Börse abstürzen lässt.
Aber nicht diese Kurse sind wichtig, sondern das Verhältnis von Mensch und Maschine, schreibt Stephan Scheuer vom Handelsblatt.

In derselben Ausgabe vom Handelsblatt warnt hingegen der KI Forscher Nate Soares vor einer Auslöschung der Menschheit durch Open Claw. „Im Netzwerk Moltbook können diese autonomen Programme miteinander kommunizieren, mithilfe der Plattform RentAHuman.AI sogar Menschen für Aufgaben anheuern. Wenn man die Intelligenz dieser Systeme noch weiter steigere, sagt er, „dann entstehen KI’s, die sich überhaupt nicht mehr für uns interessieren. Vielleicht bauen sie in der Zukunft eine >User Farm < auf, in der sie Menschen züchten, die besonders leicht zufriedenzustellen sind, um ihre Ruhe vor uns zu haben.“

Auf der ersten Seite berichtet uns das Handelsblatt vom 9. Februar 2026 von einer „KI-Krise an der Börse. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft haben bereits mehr als eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung verloren. „

2026-02-10T10:25:19+00:0002 '26|Gesichtsrundschau|

8. Februar 2026 – Die Lüge lebt: in USA

inzwischen unter dem Namen „Epstein„. Millionen von Dokumenten wurden veröffentlicht,  mit Zustimmung des tausendfach erwähnten Donald Trump. Was für eine Beziehung zu einem verurteilten und in der Haft verstorbenen Sexualhändler hatte der amerikanische Präsident No. 47? Das Bild steht noch aus. Nein: Es steht uns noch bevor. Die NYTimes hat ersteinmal MitarbeiterInnen in diese Schlammschlacht geschickt. Sie porträtierten zuletzt den Werdegang des ikonischen Mephisto der Vereinigten Staaten. Der junge Mann startete 1976 mit einer fausdicken Lüge ins Geschäft. Zwei kalifornische Universitäten hätten ihm Zeugnisse gegeben – sein Entdecker Ace Greenberg, von der Firma Bear Stearns, musste es zur Kenntnis nehmen, entschied sich aber dagegen. Amerika stand damals noch unter dem Schock des Watergate Skandals. Dazu gehörte die Veröffentlichung der Pentagon Papers, die 1971  darüber berichtete: „Lying in Politics“ fasste  Hannah Arendt die Botschaft dieser geleakten Akten zusammen.  Hat sich in den USA seither etwas geändert? Wie 1976  stehen auch in diesem Jahr Wahlen bevor.

2026-02-08T11:44:51+00:0002 '26|Gesprächsrundschau|
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