Gesichtsrundschau

12. März 2022 – Das wahre Gesicht des Krieges

Gespenstisch in jeder Hinsicht waren die letzten beiden Monate mit dem Überfall der Russen auf ihr Brudervolk, die Ukrainer. Angeblich wollte Putin dieses Kernland der russischen Föderation heim ins Reich holen, wie Hitler gesagt hätte. Um dieses Plagiat zu verschleiern, behauptet Putin, er müsse in Kiew Nazis vertreiben – einen jüdischstämmigen Präsidenten entmachten oder besser wohl: töten. Wie teuflisch.

Nun gibt es also eine ungeheure Übermacht mit mehr als 150tausend Soldaten und einer modernisierten Flotte einerseits, und ein kleines Land mit 40 Mio Einwohnern, aber wild entschlossenem Widerstand andererseits. Während alle Welt aus pandemischen Gründen Masken trägt, hat Putin die Maske der Zivilität fallen lassen: das hässliche Gesicht des Krieges, mit brutalen Morden der Zivilbevölkerung, tritt nackt heraus. Und fordert die westliche Welt zur Reaktion. Noch trägt diese westliche Welt die Maske des Händlers – mit ihren schneidenden Sanktionen. Niemand will einen dritten Weltkrieg in Europa. Aber der Diktator droht mit Atombomben – ist es wirklich nur Bluff, wie Selenskij meint?

2024-10-22T23:39:29+00:0003 '22|Gesichtsrundschau|

16. Januar 2022 – Gesichtswahrungsmaßnahmen

Die dramatische Szene um die Ukraine, Putins Aufmarsch von hunderttausend Soldaten an ihrer Grenze und die harte Forderung nach Sicherheitsabsichtserklärungen des Westens: eine gespenstische geopolitische Fantasie steht im Raum. Putin will sein „Gesicht wahren“ – als Erbe der alten Sowjetunion und Verwalter von großräumlichen Jalta-Vereinbarungen. Was mit der Krimbesetzung begann, soll mit der Ukraine nun fortgesetzt werden. Noch bildet die Sprache das eigentliche Schlachtfeld: Diplomatie wie auch Technik simulieren Dialoge, dabei steht alles bereit zum Duell. Oder fast alles. Deutsche Fachleute und Publizisten beklagen den schlechten militärischen Zustand unserer Bundeswehr. Sie ermahnen die Bundesregierung brieflich zu härterem Vorgehen: aber was stellt man sich vor, wer sucht den Krieg?

2024-10-22T23:39:35+00:0001 '22|Gesichtsrundschau|

8. Dezember 2021 – Der Quellcode als Gesicht

Man muss sie schon fieberhaft nennen, die Streitigkeiten um das menschliche Gesicht, angefangen von den Kunstgriffen der Medien über die der pharmazeutischen, kosmetischen Industrie bis hin zu religionsdogmatischen Maßnahmen (Burka). Man kann das aber auch anders deuten: Längst sind wir vielleicht Subjekte und Zeugen einer biologischen Wende, eines Evolutionsgeschehens. Mit Recht hat die Zürcher Linguistin Angelika Linke vor kurzem bemerkt, dass zum fanatischen Streit um das Gendern, auch der um das geschlechtlich unsichere Empfinden einer erstaunlichen Zahl von Menschen gehören; man kann dazu setzen, auch die Demonstrationen für oder gegen die Abtreibung, für oder gegen künstliche Befruchtungen mit Leihmüttern und -vätern. Offenbar ändert sich der Modus unserer Fortpflanzung. Eine „deep biology“ navigiert uns – eine vielleicht vom Klimawandel erzwungene Umgestaltung des Menschenkörpers oder ihre Vorwegnahme?

Schon die Coronamaske hat längst ein Weltgesicht erzeugt, dem wir möglicherweise auf Jahre hinaus nicht mehr entrinnen können. Was bereitet sich vor, hinter dieser Maske, die unsere Mimik stark einschränkt und feinste Nuancen auf die Augenpartie verschiebt? Eine garnicht mehr unterirdische Begleiterscheinung ist doch der shift von der visuellen zur akustischen Kommunikation. Die Weltgesellschaft kommuniziert mehr und mehr über Töne und Laute, Podcasts und clubhouses, allemal über youtube. die gesprochene, gesungene oder gerappte Sprache überwältigt die Schrift mit unabsehlichen Konsequenzen. Denn gerade über die Stimmlichkeit haben wir ja längst auch den Robotern Eintritt in unsere Sozialwelt gestattet: angefangen vom Navy im Auto bis zu Siri oder Alexa auf dem Sofatisch. Zum Genossen Roboter in Coronazeiten passt aber der Genosse Mensch mit einem QR Code. Beim Eintritt wo auch immer zeigen wir heute unser Digitalgesicht – und der Verkäufer betrachtet und entziffert es mit dem Auge des smartphones. Die menschliche „wetware“ hat anorganische, ergo unsterbliche Stellvertreter erhalten. Ein Roboter betrachtet den andern. Mehr dazu demnächst.

2024-10-22T23:39:40+00:0012 '21|Gesichtsrundschau|

30. Oktober 2021 – Facebook adé – Meta ante portas

Seit dem letzten Eintrag am 6. Oktober verging viel Zeit – und die Aktivität der Whistleblowerin Frances Haugen hat gewirkt. Sie hat Facebook zu Fall gebracht. Unglaublich. Erleben wir gerade das Ende einer Epoche? Mark Zuckerberg kündigt jedenfalls eine dramatische Zäsur für Facebook an. Aus dem „Gesichtsbuch“ wird ein „Jenseits“buch. Statt „Facebook“ heisst das Unternehmen jetzt „Meta“. Oder „Meta-Versum“ – statt „Uni-Versum“.

Die Öffentlichkeit hat das Unheimliche daran noch nicht ganz erfasst. Unheimlich ist der Größenwahn bei alldem. Unheimlich ist aber auch die neue Geschäftsidee dahinter. User sollen demnächst mit virtueller Realität versorgt werden, mit Brillen, die ihre Träger in andere Welten versetzen. Man soll Inhalte nicht mehr betrachten oder lesen, sondern in Inhalte einsteigen. Was soll damit gemeint sein? Für deutsche User bietet „Meta-Verse“ rein sprachlich etwas altbekanntes, nämlich das, was auf deutsch „Zweites Gesicht“ heisst, also Visionen evoziert. Hellseherei, „zweite Gesichter“, wurden in Europa Ende des 19. Jahrhunderts zur Modeerscheinung. Im Umfeld der Psychoanalyse, der Hypnose, der Theosophie, gab es Geistererscheinungen, Jenseitswelten, die schliesslich zu Kunst und Weltanschauung gerinnen konnten. Hilma af Klint, die schwedische Malerin, schuf hunderte von Gemälden nach ihren Visionen; Rudolf Steiner, ihr Prediger, stiftete dazu die „Anthroposophie“: Weisheitslehre des Menschseins. Dieser Lehre folgt die Partei der Grünen seit langem; mit ihr bekämpft sie das „Anthropozän“: = die Epoche höllischer Unweisheit im Handeln der Menschheit. Ab morgen tagt im schottischen Glasgow die große Klimakonferenz, deren Ergebnis über das Fortleben unserer Spezies entscheiden soll. Hat Zuckerberg seine Bekanntmachung passend dazu datiert?

2024-10-22T23:39:45+00:0011 '21|Gesichtsrundschau|

6. November 2021 – Sprechende Pferde, „Viehsiognomik“

Heute sprach Clemens Setz, der diesjährige Büchnerpreisträger, denkwürdig über Büchners „Woyzeck“ von 1836, genauer: über das Pferd des Marktschreiers in der Szene „Bude. Lichter. Volk.“. Den Auftritt sollte man original lesen. Der Marktschreier gibt Unterricht in animalischer „Viehsiognomik“. Er unterrichtet sein Pferd im Rechnen, ergo im Denken. Er zeigt den Zuschauern: Das Tier ist „ein verwandelter Mensch“. Aus dieser Szene entwickelt Setz seine Rede. Umstandslos kommt er auf den Nachfahren des Marktschreiers, auf den bekannten Tierpsychologen der Jahrhundertwende, Karl Krall. Krall kaufte den berühmten „klugen Hans“, das rechnende Pferd, dazu noch zwei arabische Vollblüter und widmete sich dem Dialog mit der Kreatur. Die Tiere lernten nicht nur rechnen, sondern sprechen, nach Art eines Morse-Alphabets. Setz artikulierte die Wörter hingebungsvoll, vor allem auch die „Äusserungen“ der beiden Araber.

Krall wurde europaweit bekannt. Er schrieb ein Kapitel der Populärwissenschaft, die Intellektuellen suchten ihn auf. Doch 1916 musste er die Pferde an das Heer abliefern. Was aus ihnen wurde, ist nicht bekannt. Doch in den 1960er Jahren begann in den USA das große Experiment mit Menschenaffen, vor allem dem Schimpansenmädchen „Washoe“. Die Verhaltensforschung reagierte begeistert, als es gelang, mittels Gebärdensprache einen Dialog mit dem Tier herzustellen. Gegner des Experiments meldeten sich natürlich auch – zuletzt sogar der bekannte Autor TC Boyle, der nur Tierquälerei in der Fragestellung entdecken will. Clemens Setz dagegen sieht die Liebe zur Kreatur.

2024-10-22T23:39:52+00:0011 '21|Gesichtsrundschau|

6. Oktober 2021 – Facebook Super Gau

Seit gestern taumelt die größte Internetfirma, das „Gesichtsbuch“ unserer Epoche, auf einen Abgrund zu. Eine Mitarbeiterin namens Frances Haugen hat nach zweijähriger Anstellung gekündigt, tausende von Unterlagen mitgenommen und der Öffentlichkeit übergeben. David gegen Goliath: ist kein Vergleich. Dieser David ist weiblich , Harvardabsolventin und entschlossene Aktivistin für eine bessere Welt. Vor dem Kongress sagte sie gestern: „Die Dokumente, die ich weitergegeben habe, beweisen, dass Facebook uns wiederholt darüber getäuscht hat, was seine interne Forschung über die Sicherheit von Kindern, seine Rolle bei der Verbreitung von Hetze und polarisierenden Botschaften und so viele andere Dinge enthüllt.“ FAZ von heute.

Die Zeitung bringt auch ein interessantes Interview mit ihrem Anwalt John Tye. Dieser Anwalt hat seit 2016 die Verteidigung von whistleblowern zum Geschäft gemacht. Er hofft auf Belohnungen, die er mit den Aktivisten teilen könnte, hat aber nach eigener Aussage bisher nicht wirklich damit reussiert.

Die erste Wirkung der Anhörung gestern war stundenlanger Ausfall nicht nur von Facebook sondern auch Whatsapp und Instagramm. Angeblich war es ein technischer Fehler, dessen Korrektur stundenlan dauerte. Man könnte auch denken: in Silicon Valley wurden fieberhaft belastende Unterlagen gelöscht. Tausende von Kunden haben inzwischen Facebook verlassen.

2024-10-22T23:39:57+00:0010 '21|Gesichtsrundschau|

22. September 2021 – Erschiessung wegen Maske

Seit vorgestern entsetzt sich die deutsche Dialogwelt über einen Vorgang in Idar-Oberstein, Rheinland-Pfalz, von Malu-Dreyer regiert. Als hätte es in ihrem Land mit der apokalyptischen Überschwemmung im Frühjahr nicht genug Unheil gegeben, erschoß jetzt ein 49jähriger Mann einen 20jährigen Tankstellen-Kassierer (Student), weil dieser ihn zum Tragen einer Maske anhielt. Es war keine Affekttat – vielmehr fuhr der Mann nach einem ersten Streit nachhause, holte eine Pistole, kehrte zurück und verwickelte den Kassierer erneut in einen Wortwechsel über das Maskentragen – um dann zu schiessen. Der Dialog mündete ins tödliche Duell. Noch weiss man zu wenig über den Täter in U-Haft. Angeblich wollte er „ein Zeichen gegen die Corona Politik“ setzen. Ein Zeichen? Nein, Rache eines Querdenkers. Querdenker sind verkappt suizidale Lemminge. Jetzt aber doch in Aufruhr, denn man wird ihnen keinen Verdienstausfall mehr bezahlen – sie könnten sich ja impfen lassen.

2024-10-22T23:40:02+00:0009 '21|Gesichtsrundschau|

6. September 2021 – Deep Fake

Vom Neandertal zum Silicon Tal: die SZ berichtet heute von der albtraumartigen Fazial-Technik namens „Deep Fake“. Die HochleistungsHardware einer Firma namens NVidia vermag Menschen derart täuschend echt nachzubilden, dass selbst nahe Menschen die Fälschung nicht bemerken. Die Folgen sind abgründig. Man könnte Personen in Kontexten auftreten lassen, die sie nie erlebt oder erstrebt haben. Man könnte ihren Leumund ruinieren, ihre Arbeit vernichten. Selbst Stimmen lassen sich inzwischen täuschend echt nachahmen – das Todesurteil etwa für Synchronsprecher. Den höllischen Gipfel bildet momentan offenbar eine Firma namens „Hour One“, die Menschen dazu animiert, ihre Gesichter mit Copyright zu verkaufen. Man muss dafür nur einer Aufnahme zustimmen. „Wenn man die resultierenden Daten in eine KI-Software einspeist, kann die Firma daraus eine schier endlose Menge an Videomaterial erzeugen, in dem die entsprechende Person in jeder beliebigen Sprache sagt, was sie will.“ Eine Goldgrube der Werbeindustrie – und ein Lohnverhältnis des Verkäufers mit sich selbst. Brutaler lässt sich das Ende des Selfie-Taumels nicht inszenieren.

2024-10-22T23:40:06+00:0009 '21|Gesichtsrundschau|

4. September 2021 – Mrs. Ples, Alter 2,1 Mio Jahre

Das vorzüglich renovierte Bonner Landesmuseum beherbergt nicht nur den ersten Neandertaler, gefunden 1856 in der Nähe von Düsseldorf. Seit 1877 steht er im Raum, inzwischen rekonstruiert mit ziemlich menschlichen Zügen, nicht zu wulstigen Augenbrauen, nicht zu dicken Lippen oder vorstehendem Kinn. Der Fund entfesselte seinerzeit bekanntlich einen Sturm der Entrüstung. Das sollte eine Spielart des homo sapiens sein, sogar sein Vorfahre? Der damals berühmteste deutsche Mediziner, Rudolf Virchow, bestritt es fanatisch. Er hatte damals gerade zusammen mit Heinrich Schliemann Skelette in Troja ausgegraben, also aus dem 2. Jahrtausend v.Ch., – und überlegt, ob diese alten Griechen nicht eigentlich Germanen wären. Die Rassenkunde war längst zur Elitenkunde geworden. Ein Affe konnte unmöglich im Stammbaum stehen.

Das Landesmuseum beherbergt aber noch ganz andere Vorfahren, wie etwa Mrs. Ples – ein Spitzname für den „Plesianthropos“, ein vielleicht weiblicher Schädel mit dem geschätzten Alter von ca. 2 Mio Jahren. Vergleicht man sie mit andern vormenschlichen Köpfen in dieser Sammlung, so fallen die starken Kinnpartien auf. Sie verraten die Pflanzenfresser, die starke Muskeln brauchten, um Gras und Blätter stundenlang zu kauen. Wer das Weltgesicht unter der Maske von heute betrachtet, könnte die Wiederkehr dieser Kinnpartie im Profil erkennen. Die Menschheit im Rückbau?

2024-10-22T23:40:11+00:0009 '21|Gesichtsrundschau|

27. August 2021 – Und wieder Burka und Turban

Seit einer Woche tobt ein politischer Sturm um den Abzug der US Truppen aus Afghanistan. Präsident Biden musste und wollte den Prozess abschliessen, den sein Vorgänger Trump im Februar 2020 eröffnet hat. Eine Abmachung mit den Taliban, ohne Beteiligung der afghanischen Regierung. Eine Entmachtung zudem, die den Taliban freie Hand im Umgang mit den tausenden von Kollaborateuren der NATO gab. Welche Generäle waren damals beteiligt, welche sind noch unter Biden im Amt, welche sind Republikaner? Ihnen allen – wie der ganzen GOP – kann das Schlingern des demokratischen Präsidenten nur recht sein. So auch den Freunden der verhüllten Köpfe und Gesichter. Burka wird wieder Frauen- , Turban wieder Männerpflicht in Afghanistan. Zu schweigen von der Rückkehr der Frauen ins Mittelalter, vom Ikonoklasmus und Musikverbot. Wer weiss, wieviele Attentäter in den letzten Tagen in Nato- Länder ausgeflogen wurden – in größter Hetze. Wurden die 40tausend geretteten Personen gebührend untersucht? Ihre Auffanglager werden unter Joe Biden jedenfalls nicht Guantanamo heissen.

2024-10-22T23:40:20+00:0008 '21|Gesichtsrundschau|
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