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12. September 2025 – Masken von Mördern

beschrieb das liberale Medium der Schweiz, journal21, gestern ausführlich. Es ging um zwei Reserveoffiziere der israelischen Armee, die nur maskiert vor die Presse traten, aus Furcht und aus Scham. Sie spürten wohl, meinte  Ignaz Staub, dass die zukünftigen Einsätze gegen Gaza ungesetzlich und unmenschlich wären und Anlass zu einer Anklage vor dem Internationalen Gerichtshof werden könnten. Staub beschreibt ausführlich, welche Rolle die Siedler inzwischen bei Netanjahus imperialem Wahnsinn spielen, dass sie schwere Geräte heranschaffen, um die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Trumps  obszöne Vision einer Riviera des Orients hat Israel gefesselt: sowohl als Einkommens- als auch als Lebensform. Das Paradies auf Erden, ermöglicht vom wahren Messias. Noch Ende der neunziger Jahre nannte man Netanjahu nur „Esel des Messias“ – inzwischen ist er es offenbar selber.

2026-01-09T10:20:07+00:0009 '25|Gesichtsrundschau|

10. September 2025 – Lügen, was das Zeug hält

könnte man zur Devise unserer vertrackten Gegenwart erklären.  Technisch möglich durch sogenannte „social“ media, moralisch praktiziert von gewissenlosen Zeitgenossen mit viel – oder zu wenig – Geld, politisch zu nationaler Konstitution ausgebaut, intellektuell zur Spielform des Weltgeistes erklärt. Unbeschreiblich staatstragende Rollen erhalten die Formate der Unterhaltungsindustrie: angefangen bei Hollywood, weiter zur game industry und zur Meta-Physik der Brillenkunde , bis hin, oder besser: bis zurück zur jüdischen Mythologie von Babel und Golem. 
Pausenlos versuchen Nerds aus westlicher Sphäre die Lage zu deuten, ohne doch nur den Schatten einer Hoheit dadurch zu gewinnen. Vielleicht sind die Lügengebäude zu nah an literarischen Ufern gebaut? Der Gewinner des Preises für europäische Verständigung,  Alhierd Bacharevic aus Belarus, mühte sich um das Genre von Fantasy, Märchen und Utopie (FAZ 30.8.). Nur wenige Tage später sah der Journalist Frank Bruni deutlich – und beileibe nicht als Einziger – den brutalen Angriff auf unser Realitätsbewusstsein als solches durch die gegenwärtige Präsidentschaft und Administration aus den USA (NYT 9.9.):
We’re facing the profoundly dangerous convergence of a leader determined to distract and deceive us and a social and political landscape primed for distraction and deception. Have we dealt with anything quite like this before? The existence of the shorthand IRL to designate that an event or relationship is occurring In Real Life, and not just online, suggests both the unreality of cyberspace — the fog and the fakery of it — and the significant amount of time we spend there.
Alle Zeichen einer organischen Existenz – Körper, Aussehen, Stimme, Bewegung, Mimik etc. – lassen sich heute kraft technischer Genialität simulieren und manipulieren: ob das Wort „Lüge“ hier noch angebracht sei oder überhaupt nach einer Realität verlangt, ist die Frage. In der alten Musik mit „wohltemperierter Stimmung“ gab es den Begriff der „enharmonischen Verwechslung“. Einzelne Töne können wie ein Treppenabsatz in eine andere Tonart leiten. Das wäre wohl das freundlichste Bild unserer gegenwärtigen, fatalen Umformatierung von Demokratie in Autokratie, von Arbeitern in Arbeitslose, von Wissenden zu unheilvoll Unwissenden.

 

 

 

 

 

 

2025-09-10T15:33:05+00:0009 '25|Gesprächsrundschau|

7. September 2025 – Unser digitales ÜberIch

wird offenbar gerade entwickelt, im Wettstreit zwischen CHatGPT aus Silicon Valley und DeepSeek aus China. Vielleicht gab es gerade ein exponentielles Wachstum in der Technologie, eine gefährliche Beschleunigung, vor der Angela Merkel schon zu Corona Zeiten warnte. Seltsam ist jetzt aber der Widerspruch: Frau Melania Trump erklärte letzthin der Weltöffentlichkeit, die neue KI sei nun unter uns wie ein Kind, das erzogen und bewacht werden müsse; der SPIEGEL berichtete zeitgleich, der Künstlichen Intelligenz müsste man mütterliche Züge antrainieren, um jede Gefährdung durch dieses Riesenwerkzeug zu verhindern.
„Das Riesen-Spielzeug“ hiess eine Ballade von Adalbert von Chamisso aus dem Jahr 1831. Die Tochter eines Riesen spaziert durchs Land und findet „gar eine fremde Welt. Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut, / Bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;/ Es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,/Es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.“ Sie packt alles in ein Tuch und bringt es zum Vater.
Aber kein väterlicher Burgherr steht heute bereit, um ein kleines Wesen namens Mensch zu schützen; im Gegenteil, an eben diesem Wesen wollen alle möglichen Schreckensmächte genesen. Finanziell, intellektuell, territorial.  Der SPIEGEL benennt immerhin eine Forscherin namens Jie Mei von der Interdisciplinary University aus Linz ((IT:U), die sich mit Neurotransmittern befasst. Also mit Wirkstoffen, die uns zur Empathie befähigen, egal ob Mutter oder Kind. Auch im Tal der Silicontränen gibt es derlei Forschung, etwa bei https://www.hansonrobotics.com/ , wo man menschenkompatible Geschöpfe entwerfen will, die eine Art interspezifische Koexistenz führen könnten. KÖNNTEN! , wenn sie zu wollen gelernt haben.

 

 

2025-09-07T11:31:21+00:0009 '25|Gesprächsrundschau|

31. August 2025 – Trumps Gesicht

wird heute in der New York Times besprochen, vom Opinion Columnist Jamelle Bouie. Er widmet sich einem Foto der letzten Woche: „It’s of a scene in Washington, D.C., taken a few days ago. In the background, you see the Department of Labor building. Hanging on its right side is a large American flag; hanging to its left is a huge banner of President Trump with the phrase ‚American Workers FIRST.‘ It is the president’s official portrait, supposedly inspired by his mug shot. He’s glowering, less a servant of the public than a stern, unforgiving father. He seems to demand respect and obedience without promising anything in return.“
Das Foto, schreibt Bouie weiter, zeigt Soldaten, die auf den Präsidenten zumarschieren, assoziiert also kitschige Führerverehrung mit Arbeiterkult und militarisierter Hauptstadt. „Das Weisse Haus will zeigen: das Spiel ist aus, wir haben gewonnen.“ Wer könnte darüber nicht erschrecken, zumal nicht, wenn -noch kitschiger – ein Friedensnobelpreis dahinter lauert. Wieviel Krieg soll dieser Preis kosten?

 

 

2025-09-01T07:43:48+00:0008 '25|Gesichtsrundschau|

29. August 2025 – „Gegner sein und bleiben“

so etwa kann man „Kriegstüchtigkeit“ übersetzen, von welcher Minister Pistorius seit Amtsübernahme spricht. Mit Erfolg. Die Regierung will jetzt Briefe an alle wehrfähigen jungen Männer senden, die sich freiwillig melden können. Bleibt die Zahl unter der erwünschten, wird ab 2027 Wehrpflicht ausgerufen. Das Kalkül ist: der Gegner namens Russland soll angeblich mit Angriffen warten, bis wir wirklich ertüchtigt sind. Dabei arbeiten Fachleute längst an den permanent gegenwärtigen Schattenkriegen im Cyberspace. „Red Teaming“ nennt man das Training der Künstlichen Intelligenz mit Angriffstechnik, die uns begegnen könnte. Denn auch die Angreifer nutzen sie. Im Blog des Unternehmens kindo steht:

. Das konfrontative Denken zwingt Sie dazu, Ihre Angriffsfläche aus der Sicht eines Angreifers zu betrachten: • Welche Teile unserer öffentlichen Systeme sind am anfälligsten für Angriffe? • Wie kann jemand kleine Fehler kombinieren, um eine große Sicherheitsbedrohung zu schaffen? • Sind wir durch eine CVE oder eine neu entdeckte 0-Day-Sicherheitslücke gefährdet?

Durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen können Verteidiger Probleme proaktiv beheben und Reaktionen auf potenzielle Vorfälle proben. Das Prinzip ähnelt dem Stresstest einer Brücke oder der Durchführung von Feueralarmübungen: Indem Sie sich bewusst und kontrolliert Risiken aussetzen, stärken Sie Ihre Systeme und Teams für echte Krisen. Mit dieser Denkweise werden Sicherheitslücken zu Lehren.

Das ist ein Zitat! Der Dichter Rilke schrieb einst: „Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles.“

2025-08-31T09:32:27+00:0008 '25|Gesprächsrundschau|

24. August 2025 – „Das Gesicht verlieren“

ist eine alte Redewendung:  ursprünglich chinesisch, dann englisch, schliesslich deutsch: Ehrverlust, Glaubwürdigkeitsverlust war damit gemeint. Im europäischen Mittelalter gab es aber auch eine Prangerstrafe für sexuelle Vergehen: Verlust der Nase. Weshalb es schon früh auch eine kosmetische Chirurgie mit Elfenbein oder ähnlichem Material gab – Sander Gilman hat diese Geschichte nachverfolgt (Princeton 2000). Seltsamerweise spielte dieses Motiv in der Tradition des rituellen Duellierens  (etwa bei Studenten) gerade keine Rolle: eher umgekehrt waren Schnitte im Gesicht Zeichen von Mut, sogenannte „Schmisse“ von Burschenschaftlern.
Die aktuellen Medien berichten oft vom „drohenden Gesichtsverlust“, den man aus unterschiedlichen Gründen abwenden muss: sexuelle Vergehen, Lügen vor Gericht, nicht eingehaltene Versprechungen. Der Verlust der Ukraine würde für beide Präsidenten gefährlich, aber auch für den amerikanischen Donald Trump, der sinnlos naiv als Friedensapostel auftritt.
Das Gesicht als ikonische Formel spielt aber auch in der Geschichte des Geldes eine uralte Rolle: wessen Gesicht eine Münze trägt, gilt als Garant ihres Wertes auf einem bestimmten Territorium. Trump möchte gern zurück zur Goldmünze, als Garant der Weltwährung, am besten mit seinem Gesicht. Hitler kam nicht auf Münzen, wohl aber auf Briefmarken. Mit seinem Konterfei auf der 5 Pfennig Marke finanzierte er teilweise den Bau von Obersalzberg.

2025-08-25T08:11:53+00:0008 '25|Gesichtsrundschau|

19.08.2025 – Eisige Gespräche 2.0

auch wenn gestern die Europäer nach Washington reisten, um dem gepeinigten  Selenskyi beizustehen – ein Blick auf den nervösen Diktator verriet, dass der Zuwendung nur simulierte. Ab und zu sah er missgelaunt zu seinem eifrig bemühten Gast,  dann wieder missgelaunt ins Publium. Beide Hände  zappelten derweil  vor der obszön langen knallroten Krawatte (male symbol) nach Art von Merkels Raute (women’s symbol), ungeduldig bis in die Fingerspitzen. Alle misstrauischen Besucher sahen es, wenn auch weniger genau als jeder TV Konsument, also das Fernsehauge.
Was immer vor der Bühne unter Putins Aufsicht verhandelt wurde, es stand unter der Drohung von J.D.Vance vom letzten November: falls die EU die Einschränkungen des Digitalgesetzes gegen Elon Musk nicht fallenliesse, hätte es Wirkung auf Amerikas Natobeistand.  Aber gilt dieser Nato-Schutz wirklich noch für Mr. Musk? Wie ohnmächtig wäre das griechisch-römische Recht gegen den Wilden Westen!

2025-08-19T12:16:20+00:0008 '25|Gesichtsrundschau|

16. August 2025 – Eisige Gespräche

passen inzwischen punktgenau zum Gipfelformat: gestern also zwischen Trump und Putin eine denkwürdige Inszenierung. In Alaska, einem ehemals russischen Gebiet, auf welches Putin womöglich Anspruch erheben könnte. Die Amerikaner kauften das Gebiet dem verschuldeten Russland einfach ab, 1867 für sieben Komma zwei Millionen Dollar.  Bedenkt man, wie gern Trump für seine Gebietsansprüche in den Brunnen der Geschichte greift, und wie tief erst recht Putin, ist die Furcht nicht unberechtigt. Aber heutzutage dürften Wirtschaftserfolge wichtiger sein.  Was hat Trump seinem Kollegen angeboten – und umgekehrt dieser ihm? Wir wissen es (noch) nicht. Bemerkt hat die Weltöffentlichkeit eine offenbar große Wärme im beiderseitigen Umgang. Zwei Gauner, die einander verstehen und gerade nicht unterkühlt behandeln. Oder doch?

Für die demonstrative Kollegialität gibt es immerhin ein historisches Muster. Es gehört zum europäischen Drehbuch , dem Donald Trump aufreizend genau folgt, seitdem er in den präsidialen Sog geriet. Er lernte dort, dass zur Machtergreifung 1. ein Putschversuch gehört, 2. eine Dolchstoßlegende, 3. ein dickes Buch über die undemokratischen Absichten des Diktators, sowie 4. eine fanatische Gefolgschaft. Ferner 5. Hass auf die gebildete Elite und die Wissenschaft überhaupt, sowie 6. Hass auf fremdstämmige Zuwanderer.

Ein düsteres, wenn nicht das düsterste Kapitel dieses Drehbuchs fand 1939 statt. Es nannte sich „Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion“, sah Neutralität im Kriegsfall vor, sowie eine Sonderregelung für die Überlassung von Polen und dem Baltikum an Russland. Wie gespenstisch! Abgesehen von der Ukraine: ist niemand gerade jetzt, fast neunzig Jahre später, so nervös wie die baltischen Staaten und Polen. Zwar sind sie alle Mitglieder der Nato, die es 1939 noch nicht gab, und gegen die starke Nato könnte Putin wohl ohne Atomwaffen nicht antreten. Es sei denn: die USA verlassen dieses Bündnis. Wäre dieser Alaska-Gipfel zugleich auch – wie 1939 – ein Gipfel der Verlogenheit?

2025-08-16T14:21:57+00:0008 '25|Gesprächsrundschau|

13. August 2025 – furiose Arbeit am Gesicht

kann man in den Werkstätten des homo visibilis von heute erkennen: buchstäblich, nicht nur im philosophischen oder politischen Sinn. Das heutige Datum erinnert zwar an den Mauerbau und also an die Züchtung des homo sovieticus; die Russistin Jutta Scherrer hat an diese fanatischen Leistungen des Bolschewismus erinnert: „Baustelle Mensch“, nannte sie ihr eben im Springer Verlag erschienenes Buch über „Humanismus in der Sowjetunion“. Rabiate Biopolitik gehörte in dieses Umfeld –  nicht nur im NS Deutschland mit seinen eugenischen Phantasmen .
Die westliche Welt hat sie nach 45 anders entwickelt, jenseits einer oder sogar gegen die Hoffnung auf einen neuen Menschen. Da sind die fanatischen Entwürfe der „Face detection“, die jedem Diktator zur Kontrolle ganzer Nationen dienen; da sind andererseits die Schönheitsvisionen der globalen Kosmetik- und Filmindustrie. Kim Kardashian heisst momentan der Engel an diesem Himmel, der sogar Masken zur Schönheitslinie des Knochenbaus liefert.  Andrii Kopchak heisst der irdische Erlöser im ukrainischen Kriegslazarett: der Mann, der entstellte Soldatengesichter wieder flickt oder gar herstellt.

Die archaischen Ängste, mit einem versehrten  Gesicht ein Leben in Familie und Gesellschaft verloren zu haben, kann niemand nachfühlen, der dieses Schicksal nicht kennt. 1919 liessen die Franzosen im Spiegelsaal zu Versailles französische Gesichtsversehrte auftreten, als Schock, während die Deutschen den Friedensvertrag unterzeichneten. 1924 erschienen solche  Porträts in dem Band „Krieg dem Kriege“ von Ernst Friedrich: viersprachig und später weltweit übersetzt. Wie werden wir  mit den Veteranen des russischen Humanismus, vulgo Vernichtungskrieges, umgehen?

2025-08-13T14:22:11+00:0008 '25|Gesichtsrundschau|

11. August 2025 – Die Ansage von etwas

dieses Format des öffentlichen Dialogs hat längst eine eigene Dynamik entwickelt. Ansagen, Ankündigungen sind als solche eben keine Sprechakte sondern das, was der Name besagt. Und doch gewinnen diese Wortmeldungen an Aktqualität, je nachdem wer sie wann und wozu äussert. Nimmt man Bewegungen der Börse für einen Beweis von „Aktivität“ im linguistischen Sinn, haben Mitteilungen von Trump auf dessen Truth Social längst Sprechaktcharakter, und zwar im Tempo der Social Media selbst. Also im Modus der Reiz-Reaktions-Folge, die vorzeiten empirisch an Fröschen erforscht wurde. Dasselbe gilt für die Widerrufung oder Änderung einer Ansage, die ja als Markenzeichen der Trump-Dialogik gelten kann. Oswald Spengler, der große EndzeitPhilosoph der Weimerer Republik, versuchte sich auch als Sprachphilosoph und meinte: die Befehle eines Hundehalters zeigten die Kernkompetenz von Sprechaktperformance: „Sitz“, „Lauf“, „Fass“.

Gerade heute zeichnen sich zwei Szenarien von politischer Ansagerei in voller Komplexität vor Augen der Weltöffentlichkeit. Netanjahu kündigt die Eroberung der Stadt Gaza an; Trump kündigt ein Treffen mit Putin an. Der UN Sicherheitsrat hat eine Resolution für Waffenstillstand durch Hamas und Israel gebilligt, mit großer Mehrheit, bei russischer Enthaltung. Also nicht VETO, dem stärksten Sprechakt der internationalen Politik – neben einer Kriegserklärung.

2025-08-11T12:41:47+00:0008 '25|Gespräch|
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