Heute fand die große Parade zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über NaziDeutschland statt. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete Stalin die Kapitulationsurkunde, die deutschen Generäle Keitel, von Friedeburg und Stumpf signierten ihrerseits in Berlin-Karlshorst. Was für ein Dialog! Der Übergang von sprechenden Waffen zu sprechenden Repräsentanten von feindlichen Völkern ist eigentlich immer ein Wunder, bedenkt man die ungeheueren Vorgänge, bis er gelingt. Gerade erleben wir Dauerkriege zwischen Russland und der Ukraine, zwischen Israel, der Hamas, der Hisbollah, dem Iran, zwischen USA und Iran – zu schweigen von Afrika -doch überall misslingen die Ansätze, Waffen zum Schweigen und Menschen zum Reden zu bringen. Immerhin gelang es Präsident Trump, die Gedenktage als Zeit stillhaltender Waffen zu fordern, samt Austausch von tausend Gefangenen zwischen Russland und Ukraine.
Pünktlich zum heutigen Datum erschien jetzt erneut ein brisantes Buch zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen zwischen den Weltkriegen des letzten Jahrhunderts. Sebastian Haffners „Der Teufelspakt“ erschien zuerst 1967 in der Zeitschrift Stern, 1994 gekürzt im Manesse Verlag und nun wieder vollständig mit einem Nachwort von Karl Schlögel bei Hanser. Die schier unglaublichen Verstrickungen seit 1915 zwischen deutschen Parteiinfluencern und bolschewistischen Blutsbrüdern muss lesen, wer unsere Gegenwart verstehen und fürchten will. Die von Deutschland geschützte Reise Lenins von Zürich nach Petrograd im Jahr 1917 steht für ein psychohistorisches Erdbeben, weit über den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 hinaus spürbar bis heute.