Dieser berühmteste deutsche Philosoph seit Kant starb vor drei Tagen, und die Medien trauerten sämtlich seiten- und minutenlang. Wer etwas auf sich hielt, weinte ihm öffentlich nach. Der ganze Suhrkamp Verlag, mit ihm die Suhrkamp Kultur, Hort deutscher Aufklärung im 20. Jahrhundert: wird mit ihm und muss zu Grabe getragen werden. Was für ein denkwürdiges Datum: Am Tag danach, Sonntag den 15. März, stürzten in europäischen Wahlen wie auch an Börsen Werte und Parteiungen unangenehm ab; unsere sogenannte rote Linie, die Brandmauer hierzulande wie auch in Frankreich taumelt jetzt kurz vor dem Absturz. Dass ein Argument kraft seiner Aussage von Gegnern anerkannt werden könne, diese Konstruktion der „kommunikativen Vernunft“ fällt seit Erscheinen von Donald Trump täglich lauter in sich zusammen. Selbst der Rekurs des alternden Habermas auf die Religion – „religiös musikalisch“ sei er nicht, hatte er früher gesagt – konnte das krachende Scheitern nicht aufhalten, einfach weil anstelle von Gegnern längst Feinde getreten waren, die man mit allen erdenklichen Mitteln zugrunde zu richten trachtet. „Hybrid“ heisst der aseptische Ausdruck dafür.
So etwas wie eine autodestruktive Macht in Regierungspositionen – und erst recht subaltern – denken lässt sich mit Habermas nicht. Sie gehört den Sekten, die in den USA bekanntlich schon öfter verführerisch auftraten. Dass in der Person des US Präsidenten ein goldglänzender Verführer zum nationalen Suizid auf der Bühne der Weltgeschichte gelandet ist: haben bisher nur SF Regisseure und -Schriftsteller erwogen und beschrieben.