wird nicht in allen Bundesländern als Feiertag behandelt, aber dies Jahr fällt er auf einen Sonntag, und die Gottesdienste hier in Berlin gedenken daher der Heiligen auch in evangelischen Kirchen, auch im christlichen Deutschlandfunk, auch sogar auf den Textblättern beider Konfessionen mit mittelalterlichen Gemälden. Heilige sind die Nachfahren heidnischer Götter. Wie diese sind sie oft nur regional bekannt, oft aber auch, und dann landesweit, für sehr spezielle Probleme, Leiden, Erfahrungen, Wünsche zuständig. Die Kirche verwaltet mit ihnen, ihrer Heiligung und Seligsprechung den Schatz einer vitalen Glaubensaktie, wie Peter Sloterdijk vielleicht sagen würde. Vital, weil die Maßnahmen des Vatikans einem Drehbuch gleichen, das spannend entfaltet und bis zum Gipfel der Heiligsprechung in einzelnen Akten und Aktionen führt.
Der Dialog mit den Heiligen ist intim wie mit einem Schutzengel, dem Gegenteil eines Schattens. Sie können jederzeit angerufen werden, ihre Bildnisse stehen an Gräbern oder zuhause auf einem Fensterbrett, sie hängen an einer Halskette oder werden sogar tätowiert.
Abschaffung der Heiligen stand in Luthers Programm. Auch das Judentum kennt keine Heiligen. Gott, respektive sein Sohn Jesus, hat in diesen Konfessionen eine Art Seelsorge-Monopol, als Gegenstück zum staatlichen Gewaltmonopol abendländischer Verfassungen.