11. Januar 2026 – „Der Teufelspakt“
so heisst das wiederentdeckte Buch des politischen Kommentators und deutschen Star-Journalisten Sebastian Haffner, das im kommenden März in einer ungekürzten Nachauflage erscheint, im C.H. Beck Verlag mit einem Nachwort von Karl Schlögel. Der Titel ist mehr als sinnreich. Er erinnert an das deutsche Herzstück – Goethes FAUST – und im Untertitel an eine Dramaturgie, die mit dem Melierdialog (vgl. den letzten Eintrag) nur annähernd beschrieben ist. „Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg“ heisst dieser Untertitel, und er beleuchtet eine unerhörte dialogische Perspektive. Das deutsche Kaiserreich mit seinen führenden Akteuren, so das Argument, habe in Lenin und den Bolschewisten den diabolischen Partner gefunden, einen (verlorenen) Weltkrieg in einen Weltbürgerkrieg umzumünzen.
Lenins berüchtigte Reise durch Deutschland 1917 wurde von oberster Stelle ermöglicht; Lenins Ankunft in Moskau diente der bolschewistischen Weltrevolution subkutan im Bündnis mit militärischer Geopolitik aus Deutschland. Wohlgemerkt: im Bündnis. Russland und Deutschland: eine Liebesgeschichte? Eine skrupellose Sabotage der europäischen Politik durch zwei Verlierer des Ersten Weltkriegs? Der Pakt zwischen Hitler und Stalin von 1939 wurde womöglich seit 1914 eingeleitet, im Vertrag von Rapallo befestigt und wird heute, von Hitlers Epigon Donald Trump, weitergeschrieben.
Die Darstellung ist atemlos, vor allem wegen Haffners unerhörter Quellenkenntnis und seiner Begabung, das zynische Element dieser Politik bis in die kleinste Faser fast ganz auf Ebene der hochrangigen Täter zu reinszenieren: Entscheidungen, Verträge, Absprachen, Reden, Dialoge, Schriften und Briefe. Es spricht der Thukydides des 21. Jahrhunderts.