ist eine der verwerflichsten, wenn auch indirekten Sprechakte überhaupt. Die Linguisten sprechen von einem pragmatischen Akt mit sozialen Folgen, weil es keine juristisch stabile Formulierung gibt, wie etwa bei einem Heiratsversprechen. Deutschland hat eine traurige Kompetenz erlangt: schon im NS-Deutschland konnte man jederzeit Menschen wegen Umgangs mit jüdischen Bürgern in den Tod schicken, auch und vielleicht noch effektiver in der oder durch die DDR, die doch Nazideutschland mit sowjetischer Hilfe bekämpfte. Ähnlich wie heute völlig grotesk der russische Präsident den ukrainischen des Nazismus bezichtigt, trotz dessen jüdischer Herkunft.
Vor diesem Hintergrund mutet die Initiative der ZEIT geradezu tückisch an. Seit Mitte März 2026 gibt es eine digitale Version der NSDAP Mitgliederliste mit 16 Millionen Einträgen, gezogen aus dem früheren Berlin Document Center. Die ZEIT hat diese Unterlagen technisch bearbeitet und bequem zugänglich gemacht. Sie verkauft diesen Zugang mit einem Abo. Das ist offenbar rechtlich möglich, aber unanständig. Der originale Zugang wird von der NASA (US National Archives) kostenlos zur Verfügung gestellt. Er ist dort vielleicht komplizierter, aber eben frei.
Die ZEIT ist die meistverkaufte Wochenzeitung der Bundesrepublik. Die angebliche Auflage von rund 600tausend Exemplaren verdankt sie unter anderem dem akademischen Stellenmarkt, den sie weitgehend beherrscht. Die Aufforderung, sich gegen Geld um die Nazivergangenheit von Zeitgenossen zu kümmern, kommt einer Aufforderung zur Denuntiation gleich. Verkleidet als historische Wahrheitsfindung, die auch vor der eigenen Familie nicht innehält. Wer aber kontrolliert das? Welche Rolle wird die gefundene Wahrheit im Umgang mit der DDR spielen, zumal in den kommenden Wahlen? Vielleicht rollt eine zweite AufklärungsWelle nach den Stasiunterlagen über das Land.